Vor einem Jahr war die Stimmung richtig gut, doch wer geglaubt hat, das war der Höhepunkt, der hat sich getäuscht. Der Boom geht weiter und die Stimmung steigt. Besucherrekorde, Transaktionen und Proptechs haben die diesjährige Expo Real geprägt. Wieder werden neue Rekorde erzielt:

  • Rekordzahlen: 2.003 Aussteller und mehr als 41.500 Teilnehmer
  • Top-Thema: anhaltender Boom, „sportliche“ Marktteilnehmer
  • Real Estate Innovation Network: Turbo für digitale Transformation

Proptech-Startup und Digitalisierung

Neue Vertriebskanäle, neue Produkte und Technologien rollen den Immobilienmarkt auf. Das traditionelle Geschäft steht unter Druck – wer jetzt nicht handelt, verliert den Anschluss. Zumindest ist das der Eindruck, der entsteht. Unzählige Proptech Unternehmen drängen auf den Markt und ermöglichen neue Wege. Der Hype erinnert an das Jahr 2000, als die Internet-Startups aus dem Boden schossen. Proptech ist das Wunderding, das alles besser machen soll. Etablierte Unternehmen leisten sich einen Proptech Campus. Andere beteiligen sich an unterschiedlichen Startups oder kaufen sie gleich auf. Eines ist jedoch fast immer gleich: alle stürmen drauf los – vielfach ohne wesentliche strategische Vorgaben oder Ausrichtungen. Viele Proptechs dieser Expo Real werden wir nächstes Jahr vergeblich suchen.

Kenntnisse der Marktteilnehmer in verschiedenen digitalen Themenfeldern weichen doch deutlich voneinander ab. Sei es im Bereich Big Data, Predictive Analytics oder Blockchain. Die Unternehmen müssen diese Themenfelder und die ihr zugrundeliegenden Anwendungen verstehen und in ihre Strategie einbauen. Anschließend müssen die notwendigen Veränderungen geplant, Schritt für Schritt in das Unternehmen integriert und die Prozesse angepasst werden.

Welche Trends werden aufgegriffen? Mit welchen Technologien gehen die Proptechs an den Start?

  • Digitalisierung der wesentlichen Prozesse und Wertschöpfungen. Vor der Identifikation von Möglichkeiten über die automatisierte Bewertung von Beständen bis hin zur papierlosen Transaktion. Lösungen in diesem Bereich zeichnen sich durch einen hohen Grad der Marktreife aus.
  • Crowdfundig für Immobilieninvestments. Von Einzelobjekt bis hin zu gebündelten Investitionen als Teil eines Club Deals.
  • Nicht etwa im Bereich der Bitcoins, Big Data und Predictive Analytics, sondern im Vertrags- und Transaktionsmanagement. Die Verarbeitung von riesigen Datenmaßen (intern und extern), um schneller und besser zu sein als der Wettbewerb. Information früher verarbeiten und besser interpretieren, um den Markt zu schlagen.9

Investmentmarkt – das Objekt der Begierde

Nach wie vor sucht Geld nach Objekt. Denn Geld ist genug. Objekte, die über lange Zeit unverkäuflich waren, finden nun wieder neue Eigentümer. Finanzierungen, die kaum möglich waren, können heute wieder umgesetzt werden. Erste Objekte werden wieder mit 100% Fremdkapital finanziert, und Leverage auf Holding-Level ist auch keine Seltenheit mehr. Immer neue Spieler betreten das Parkett und gehen immer größere Risiken ein, um in diesen Markt einzutreten. Doch was wird dies für die Zukunft bedeuten? Glaubt man den Stimmen auf der Messe, hält der Trend nach wie vor an und die Preise steigen weiter. Ein Ende ist nicht in Sicht und pauschale Urteile können nicht gefällt werden. Einzelne Segmente und einzelne Regionen werden korrigieren und andere werden ungebremst weiterwachsen. Derzeit gilt: The Sky is the Limit!

Development – was nicht da ist, wird gebaut

Der Hunger nach Objekten kann durch die Bestände nicht gedeckt werden. Also wird entwickelt, was möglich ist. Viele Developments sind bereits als Forward Purchase Deals verkauft. Besser man kauft ein Projekt als gar keine Neuerwerbung. Eng wird es derzeit vor allem, wenn man tatsächlich Bauleistungen sucht. Die Bauunternehmen sind ausgelastet und nutzen verständlicher Weise die Marktsituation. Noch nicht lange ist es her, als man zu jedem Preis bauen konnte, weil es zu wenige Aufträge gab – von Insolvenzen keine Spur. Heute ist man froh, wenn eine Baufirma für gutes Geld überhaupt baut. Die Entwicklungen gehen weiter, Wohnen ist ungebrochen. Wenn die Wirtschaft weiter wächst werden auch die Büro- und Logistiksegmente weiteren Bedarf anmelden. Fazit: Es darf weiter gebaut werden.

Intelligent Urbanization

Die Urbanisierung schreitet ungebremst voran. Bis 2050 wird rund jeder Dritte in einer Metropole leben. Der Zuzug ist ungebrochen und muss von Städten und Agglomerationen bewältigt werden. Die nachhaltige städtebauliche Entwicklung von ganzen Wirtschafträumen ist eine der Top Herausforderungen der nächsten Jahre. Wohnraum und Infrastruktur muss geschaffen werden, um die zunehmende Bevölkerung möglichst optimal zu versorgen. Neue und intelligente Systeme müssen die neuen Verkehrsströme managen und leiten. Nur wenn die Kommunen und die privaten Investoren und Entwickler diese Themen gemeinsam aufgreifen werden die benötigen Lösungen geschaffen werden.

Fazit aus 2017

Gute Stimmung, viel Geschäft und heiß laufende Märkte. Die Party geht weiter, die Herausforderungen steigen und der Mega-Boom der Proptech Unternehmen mischt den Markt auf. Wer sich nicht auf die Reise der Digitalisierung begibt, wird vom Markt abgestraft und spielt im zukünftigen Spiel nicht mehr mit.