Alle Hoffnungen und Erwartungen vom Vorabend haben sich nicht erfüllt.
Die Rettung des Kaiserslauterer Nähmaschinenherstellers Pfaff ist misslungen. Der Vorstand des Traditionsunternehmens musste gestern Mittag die Waffen strecken, seine Verhandlungen über ein Sanierungskonzept als gescheitert betrachten. Um 14.11 Uhr übergab ein Bevollmächtigter den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Kaiserslautern.

Die fehlende Bereitschaft eines Investors, vier Millionen Euro an liquiden Mitteln in das Unternehmen zu stecken, nannte Pfaff-Vorstandsvorsitzender Josef Kleebinder als Grund dafür, dass das vom Vorstand aufgelegte Sanierungskonzept für das Unternehmen nicht aufgegangen ist. Er bedauerte, dass die interessierten Investoren abgesprungen seien. Zuletzt seien eine deutsch-holländische und eine deutsch-türkische Investmentgesellschaft im Rennen gewesen. Kleebinder betonte, er habe bis um 13.59 Uhr, bis kurz vor dem Gang zum Insolvenzrichter, über die Rettung des Unternehmens verhandelt.

Der RHEINPFALZ gegenüber erklärte Kleebinder, die vier Millionen Euro wären die Grundlage für weitere Finanzierungen gewesen. Weitere vier Millionen Euro wurden vom Land erwartet, als Gegenleistung für die geplante Verpfändung der profitablen Schweißmaschinenabteilung. Noch einmal 2,5 Millionen Euro hätte der Pfaff-Mehrheitsaktionär GCI Management, München, beigesteuert, eine halbe Million Euro der zweiköpfige Vorstand des Unternehmens und der Bevollmächtigte des Aufsichtsrats, Dieter Schäfer, selbst – als Zeichen des Vertrauens in das eigene Sanierungskonzept. Weitere Finanzierungen hätten sich in der Folge ergeben.

Kleebinder verwies darauf, dass der Vorstand für den Fall der Fortführung des Unternehmens allein Verzichtsleistungen der Gläubigerbanken in einem Ausmaß von über 20 Millionen Euro als Basis für die Restrukturierung des Betriebs erwirkt habe. Der Vorstand habe überdies als einen Meilenstein in den Verhandlungen über das Sanierungskonzept eine Einigung mit dem Betriebsrat und der IG Metall gefunden. Sie sah, wie die RHEINPFALZ gestern informierte, den Abbau von 100 der 400 Arbeitsplätze bei Pfaff vor und Veränderungen im Lohnsystem. Außerdem umfasste sie die Festlegung, dass sich die Beschäftigtenzahl künftig am Umsatz orientiert.

Der Pfaff-Vorstandschef ging gestern davon aus, dass am Montag ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wird. Er äußerte die Hoffnung, dass das Amtsgericht einen Verwalter auswählt, der nicht auf die Zerschlagung des Betriebs aus sei, sondern auf ein Weiterführungskonzept setze.
Es ist die zweite Insolvenz, die der Nähmaschinenhersteller erlebt. 1999 war er erstmals zahlungsunfähig geworden; 2001 war er an den italienischen Nähmaschinenfabrikanten Rimoldi Necchi verkauft worden.